Business

PR-Arbeit in Kanzleien

Anwälte im Wettbewerb:
Mehr Marktanteil durch professionelle PR-Arbeit


Mit der Integration der großen angelsächsischen Kanzleien in den deutschen Anwaltsmarkt und der weitgehenden Auflösung des Werbeverbots ist auch in Deutschland das Tor für eine aktive PR-Arbeit weit geöffnet. Visibility, Reputation und Penetration sind nicht nur im Marketing-, sondern auch im PR-Bereich die Schlüsselwörter. Zu den typischen Instrumenten der PR-Arbeit im Anwaltsbereich gehören Pressemitteilungen, Namensbeiträge oder Zitate in der Wirtschaftspresse,Veröffentlichungen in Fachzeitschriften sowie Interviews in den verschiedenen Medien.

Hinzu kommen Internetauftritte, Kanzleibroschüren, Newsletter, Image-Annoncen. Werbemäßig verwerten lassen sich die Ergebnisse nationaler und internationaler Rankings ebenso wie Auftritte als Redner bei Kongressen, Fachtagungen und TV- Sendungen. Auch pro bono Aktivitäten und Kultursponsoring gehören mittlerweile zum PR-Repertoire größerer Kanzleien.

Im Umgang mit der Presse ist es wichtig, den persönlichen Kontakt mit Journalisten aufzubauen, die auf bestimmte Gebiete spezialisiert und daher mit der betreffenden Materie vertraut sind. Bei der Vielfalt der anwaltlichen Gebiete kann der angesprochene Journalistenkreis daher recht umfangreich werden. Neben aktuellen Ur-teilen sind vor allem übersichtliche Darstellungen von unternehmensrelevanten Rechtsfragen (Patent- und Markenrecht, Wettbewerbsfragen, Steuern, Antidiskriminierungsgesetz, Internet, Datenschutz, US-Rechtssystem) besonders interessant. Sie lassen sich als anwaltliche Namensbeiträge einsetzen oder dienen dem Journalisten als Basismaterial für einen eigenen Beitrag mit entsprechender Zitierung.

Auch lokale gesellschaftliche Ereignisse, wie der Auftritt eines prominenten Gastredners beim Jahresempfang, die Verleihung eines Kunstförderpreises oder eines Stipendiums eignen sich für die wirkungsvolle Berichterstattung in der (lokalen) Presse. Der PR-Manager muß dabei im vorhinein zielsicher abschätzen, ob das vorgeschlagene Thema den Journalisten bzw. dessen Leser wirklich interessiert, andernfalls endet die Zusammenarbeit sehr rasch.
Darüber hinaus sollte der PR-Manager erfolgreich angesprochene Journalisten mit den eigenen Experten im Hause persönlich bekannt machen und sie für künftige Direktanfragen als fachkundige Ansprechpartner empfehlen.

Mit dem Marketing-Manager muß der PR-Manager eng zusammenarbeiten. Beide sind aufeinander angewiesen und können sich wechselseitig unterstützen. Beide haben es nicht leicht, den Erfolg ihrer Arbeit in konkrete Zahlen zu fassen. Mancher Anwalt ist sich sicher, daß allein solide fachliche Arbeit zum Erfolg führt. Wenn aber die Sozietät in den Rankinglisten ganz oben steht oder die Partner ihre Namen in den Wirtschaftspublikationen besonders häufig wiederfinden und sogar die Konkurrenz sich ein Lob nicht verkneifen kann, dann weiß auch der PR-Manager, daß sich die Arbeit gelohnt hat.

Zum Autor: Dr. Henning von Boehmer, LL.M., ist Rechtsanwalt in Düsseldorf. Er studierte in Deutschland, der Schweiz, Frankreich und den USA. 13 Jahre lang hat er die Internationale Handelskammer (ICC) in Deutschland als Generalsekretär geleitet. Danach betreute er als PR und Marketing Consultant die internationalen Anwaltssozietäten Lovells und Bird & Bird. Derzeit ist er als Senior Consultant Communications für die US-Anwaltskanzlei McDermott Will & Emery in Düsseldorf/München tätig.

 

 

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