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Managerhaftung

Wenn unternehmerische EntscheidManagerhaftung; Artikel von Prof. Dr. Friedrich Graf von Westphalenungen persönliche Haftung begründen

Die Zeiten haben sich drastisch geändert. Früher war es so, wenn in einem Unternehmen etwas „schief„ gelaufen war, dann nannte man dies gleichermaßen rücksichtsvoll wie großzügig: „Managementfehler„. Das Schlimmste, was dann dem so schuldig gesprochenen Manager widerfahren konnte, war: Er wurde entlassen, um dann in der Regel sehr bald bei einem anderen Unternehmer wieder zu Brot und Ansehen zu gelangen. 

Diese Zeiten sind Vergangenheit. Die Gegenwart: Der Aufsichtsrat, aber auch die Gesellschafterversammlung in einer GmbH, ist gesetzlich verpflichtet, bei eingetretenen Verlusten immer zu prüfen, ob nicht möglicherweise eine Schadensersatzhaftung des Managers gegenüber der Gesellschaft in Rede stehen kann. 

Bei dieser nie sehr leichten Prüfung geht es immer um die entscheidende Frage: Hat der Manager bei seinen unternehmerischen Entscheidungen pflichtgemäß gehandelt? 

Voraussetzung hierfür ist zunächst, dass er die jeweiligen sachlich-fachlichen Grundlagen seiner Entscheidung exakt aufarbeitet und einer strengen Kontrolle unterzieht. Denn unternehmerische Entscheidungen müssen sauber abgesichert werden, weil Entscheidungen „aus dem hohlen Bauch„ zwar oft den Typ des Unternehmers kennzeichnen, unter der Perspektive von Gesetz und Rechtsprechung aber keinen Bestand haben, wenn sie misslingen sollten. Indes, es ist keineswegs so, dass ein jeder Verlust der Gesellschaft gleichbedeutend ist mit einer dem Manager zuzurechnenden Pflichtverletzung, die dann gleich einen Haftungsanspruch auf Ersatz des so entstandenen Schadens auslöst. 

Denn – das sieht der Gesetzgeber sehr wohl – jeder Unternehmer muss Risiken eingehen; er muss wagemutig sein. Aber die Chancen müssen immer – sorgsame Abwägung vorausgesetzt – höher liegen, als die sich aus den Risiken einer Entscheidung ergebenden Nachteile. Denn es geht bei der dem Manager als Organ der Gesellschaft obliegenden Tätigkeit immer um eine treuhänderische Aufgabe. 

Der Manager verwaltet nicht eigenes Geld, sondern immer ist es fremdes Geld, welches ihm anvertraut ist, damit es sich vermehren möge. Daher greift eine Haftung immer dann ein, wenn der Manager entweder die Entscheidung – wie bereits betont – nicht hinreichend vorbereitet hat, oder wenn er die Risiken nicht sorgsam genug abgewogen hat, so dass das Eingehen des betreffenden Geschäftsrisikos als nicht vertretbar, nicht verantwortbar erscheint. 

Zu bedenken ist dabei, dass diese Risiken keineswegs nur auf Deutschland begrenzt sind, sondern sie ergeben sich schlechthin aus der Geschäftstätigkeit des Unternehmens, gleichgültig, woher diese Ri-siken – auf Grund von Gesetzen, Rechtsprechung, Usancen oder aus der unterschiedlichen Kultur (Sprache und Gewohnheiten) – resultieren. Und sie werden, wenn sich denn ein Verlust einstellt, immer wieder in der Praxis gegenüber den Managern geltend gemacht, sehr oft auch im Rahmen von Gerichtsverfahren. 

Oft liegt die Begründung darin, dass der Aufsichtsrat – aus der Rückschau – eben klüger geworden ist, als der Manager im Zeitpunkt der „Tat„ war. Das ist sicherlich rechtlich nicht unproblematisch, aber es ist naheliegend. Und jedes Gerichtsverfahren trägt wiederum ein eigenes Risiko, oft sehr schwer kalkulierbar, immer mit äußersten psychischen Belastungen des verklagten Managers verbunden. Denn die Beträge sind hoch; sie sprengen in aller Regel die Vermögensverhältnisse der Manager, Insolvenz eingeschlossen. 

Hilfe bietet da, wenn denn überhaupt, nur eine hinreichend kundig abgeschlossene Manager-Versicherung, eine so genannte D&O-Versicherung. Doch diese Hilfe beruht auch ein gutes Stück auf dem Prinzip Hoffnung, dass nämlich die Versicherung im Ergebnis (oft erst nach einem langen Haftungsprozess) auch Deckung gewährt und keinen Anlass findet, die Deckung unter Beachtung des „Kleingedruckten„ abzulehnen. 

Das ist ein weites Feld. Doch das oft sehr hohe Einkommen der Manager enthält eben auch die Komponente, Schmerzensgeld zu sein. 

Prof. Dr. Friedrich Graf von Westphalen ist Namenspartner der überörtlichen Sozietät Graf von Westphalen Bappert & Modest. Er ist Honorarprofessor an der Universität Bielefeld; sein Arbeitsgebiet als Anwalt ist nationales und internationales Wirtschaftsvertragsrecht, Schwerpunkt Haftungsrecht (Managerhaftung) und Schiedsgerichtsbarkeit. 

Graf von Westphalen hat zahlreiche Arbeiten zu diesen Fachgebieten veröffentlicht; er ist Verfasser und Herausgeber mehrerer wissenschaftlicher Standardwerke, insbesondere

Vertragsrecht und AGB-Klauselwerke
München, 17. Ergänzungslieferung 2006, Verlag C.H. Beck

Die Bankgarantie im internationalen Handelsverkehr
3. A. Heidelberg 2005, Verlag Recht & Wirtschaft

Der Leasingvertrag
Köln, 5. Aufl. 1999, Verlag Dr. Otto Schmidt.

 

 

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