Aristoteles
meinte, dass alle Wesen nach Glückseligkeit streben, wobei dies auf unterschiedlichen
Wegen erreicht werden könnte. Für ihn war es besonders wichtig, kein Extrem zu leben,
sondern immer einen goldenen Mittelweg zu finden.
Zu Siegern und Strategien zum
Glück in unserer heutigen Gesellschaft schreibt die Autorin Prof. Dr. Gertrud Höhler:
Sieger werden nicht in
Hochschulprädikaten gewogen; aber viele von ihnen erkennt das geschulte Auge schon im
Kindesalter. Sieger sind die, die ihre eigenen Kräfte im Griff haben. Nur dann können
Sie Dominanz entwickeln, die ausreicht, um eine Gruppe zu begeistern, Projekte zu
entwerfen und Loyalität an sich zu binden. Den Blicken länger standhalten als andere,
das gelingt nur Menschen, die sich von Anfang an nicht den Kurze-Leine-Programmen gefügt
haben. Die im Dschungel ihrer Gefühle jeden Wildpfad kennen; die kultivierte
Wutausbrüche liefern, um den anderen Sicherheit zu geben; die ihr Team lehren,
anschleichende Ängste auf ihre Zuverlässigkeit zu prüfen: Ist es wirklich unser
Reptilhirn, das uns vor einer Verlockung warnt? Dann müssen wir die Warnung ernst nehmen.
Nur die Besten können das heute noch unterscheiden.
Verläßliche Sieger sind die,
die nach einem Sieg niemals das Fest ausfallen lassen. Sie erklären ihrem Team: Das Fest
ist ein Kraftgenerator. Hier holen wir uns wechselseitig die Gewißheit, daß wir morgen
noch besser sein werden als bei diesem Erfolg, den wir heute feiern. Feste liefern mentale
Stärke. Ist mentale Stärke lernbar? Kann man sie trainieren, wie wir Muskeln, Sehnen und
Gelenke stark machen, um bessere Läufer, Ruderer oder Schwimmer zu werden? Oder sollten
wir einfach die Nähe der Stärksten und Besten suchen, um von ihrem Antriebsüberschuß
zu profitieren? Wer so fragt, der sollte das in der Tat tun.
Wer aber die Unruhe nicht los
wird , die Lust auf Steigerung nicht abwerfen kann, der sollte das Abenteuer wagen, den
Gipfel der eigenen Möglichkeiten zu erklimmen. Um das Glück zu erleben, das an der
Leistungsspitze wartet, und um den andern zu geben, was wir ihnen schulden, unser Bestes.
Infobox: Die Glücks-Strategie
In allen Gesellschaften lebt
eine Mehrheit von Menschen, die sich anderen zuordnen wollen am liebsten starken
anderen, die ihnen etwas abgeben von ihrem Selbstvertrauen und ihrem Optimismus. Nur einer
unter dreihundert Menschen läuft mit dem Überschußgefühl herum: Ich könnte vielen
etwas abgeben von meiner Kraft, aber wie finde ich den Platz, auf dem ich das tun kann?
Überall, muß man ihm antworten. Dein Antriebsüberschuß verpflichtet dich
geradezu, auszuteilen. Mach das in jeder Alltagssituation, strahle dein Lächeln in graue
Gesichter auf dem Weg zur Arbeit; laß anderen den Vortritt, gerade weil sie ihn dir
lassen würden.
Infobox: Die Psychologie der positiven
Empfindungen
Natürliche Dominanz schafft
überall eine Gasse; darum beglückt es andere, wenn der Sieger im stillen Spiel der
Blicke sie mit einer kaum merklichen Handbewegung und einem ganz leisen Lächeln als erste
durch die Gasse läßt. So sehen die Alltagsspiele der wirklichen Sieger aus: andere
mitnehmen und gleich wieder freilassen. Die Kraftübertragung gelingt trotzdem. Was ihr
folgt, ist Ermutigung, steigendes Selbstvertrauen eine feine Dosis mentaler
Stärke, die Lust auf mehr macht.
Prof. Dr. Gertrud Höhler ist
Professorin für Literaturwissenschaft, Publizistin und Beraterin für Wirtschaft und
Politik. Sie wurde vielfach ausgezeichnet, zuletzt mit dem Bundesverdienstorden der
Bundesrepublik Deutschland und dem Deutschen Fairneßpreis. |