Stress
- Dauerstress - Burnout: Wege aus dem Teufelskreis
Stress ist ein jedem von uns bekanntes Alltagsphänomen
und beschreibt zunächst einmal die einfache Interaktion zwischen einem externen Reiz und
einer internen Bewertung und der Reaktion hierauf. Dabei können die externen Reize (z.B.
drängende Termine, hohe Erwartungen von Kunden und Kollegen, Bedürfnisse der Familie) so
unterschiedlich sein wie die internen Bewertungen des Stress (z.B. Herausforderung vs.
Belastung) und die Reaktionen hierauf (z.B. Höchstleistung vs.Verzweiflung). Es gibt
sowohl negativen als auch positiven Stress. Selten läßt sich allerdings die
Feststellung, ob ein spezifischer Stress nun positiv oder negativ ist,
objektiv treffen. Stattdessen liegt es in der Regel an der Bewertung des
Einzelnen, ob er eine konkrete Situation als deprimierende Belastung oder als
stimulierende Herausforderung erlebt.
Die positive Erfahrung von
Stress ist daran gekoppelt, daß Herausforderungen erfolgreich gemeistert werden können,
d.h. daß der Stress durch eigenes Handeln reduziert oder eliminiert werden kann. Der
Begriff Dauerstress beschreibt eine Wahrnehmung, in der dies nicht mehr
gelingt, da sich hinter jeder bewältigten Herausforderung gleich die nächste aufbaut und
damit kein regenerativer Zyklus von Spannung und Entspannung mehr gegeben ist.
Der Begriff Burnout
wurde entwickelt, um die inneren Reaktionen eines Menschen auf negativ empfundenen
Dauerstress zusammenfassen. Menschliche Reaktionen auf subjektiv wahrgenommenen
Dauerstress sind so vielfältig wie die Stressoren es sind und die Menschen, die auf
Stress reagieren. Gleichwohl lassen sich Häufungen von Symptomen beobachten, die es
rechtfertigen, sie zu einer Symptomgruppe, dem sogenannten Burnout-Syndrom,
zusammenzufassen. Weder läßt sich Burnout auf die Helferberufe eingrenzen (hier nahm die
Burnout-Forschung ihren Anfang) noch auf Lehrer (bei denen Burnout eine der häufigsten
Ursache für den Vorruhestand ist). Stattdessen betrifft es Manager in Führungspositionen
genauso wie Angestellte, Selbständige und Angehörige freier Berufe. Aktuellen
Schätzungen zufolge leiden etwa 25% (!) der Berufstätigen in Deutschland unter Burnout.
Die Symptome des Burnout sind vielfältig. In der Regel handelt es sich um
Erschöpfungszustände sowohl in körperlicher als auch in emotionaler,
geistiger und sozialer Hinsicht.
Infobox: Einstellungen, bei denen Burn-out droht
Zusammenfassend läßt sich
feststellen: Den Burnouterkrankten ist die Fähigkeit zur natürlichen Regeneration
abhanden gekommen. Selbst an Wochenenden und im Urlaub findet keine Erholung mehr statt.
Nicht selten leiden sie unter Kopfschmerzen, Verspannungen, Verdauungsstörungen,
Magenschmerzen und Herz-/Kreislauf Beschwerden. Von Menschen in ihrer Umgebung werden
Burnouterkrankte häufig als wenig belastbar, unwirsch, selbstbezogen und übertrieben
selbstmitleidend wahrgenommen. Burnout stellt sich nicht urplötzlich ein, sondern
entwickelt sich, meist über mehrere Jahre des zunehmenden Leidensdrucks.
Infobox: Wie Sie Burnout erkennen können
Die gute Nachricht ist: Burnout
läßt sich sowohl verhindern als auch behandeln! Im Rahmen der Stressforschung ist
inzwischen eine Reihe von erprobten Maßnahmen entwickelt worden, mit denen sich die
negativen Auswirkungen von Stress begrenzen lassen. Burnout wird zunehmend von Ärzten als
Ursache bislang unerklärlicher Symptome identifziert und kann von Psychotherapeuten
effektiv behandelt werden. Zu den Ansätzen, Burnout wirksam zu behandeln, zählen
Entspannungsübungen, mit denen sich körperliche Reaktionen auf Stress kontrollieren
lassen, sowie kognitive Methoden, mit denen der subjektiv empfundene Stress nachhaltig
reduziert werden kann. Bereits die Erkenntnis, daß es sich bei Burnout nicht um die
logische Konsequenz von externen Einflüssen handelt, sondern um eine selbstbestimmt
steuerbare subjektive Reaktion, bildet ein wichtiges Fundament, auf dem der
Heilungsprozess aufbauen kann. Was gewinnen Menschen, die sich aus der Burnout-Falle
befreit haben? Sie gewinnen neues Selbstvertrauen in die eigenen Fähigkeiten, Achtung vor
den eigenen Bedürfnissen, einen weniger rebellierenden Körper, neue Lebensbejahung und
viele Menschen, die sich darüber freuen, daß man aus dem Tunnel wieder zu ihnen
zurückgekehrt ist.
Infobox: Was Sie gegen Burnout unternehmen
können
Dr. Rose Shaw, approbierte Psychotherapeutin, ist Leiterin der Arbeitsgruppe
Therapieforschung im IFT, Institut für Therapieforschung, München. Außerdem
Lehrtherapeutin und Dozentin für mehrere Ausbildungsinstitute. Parallel hierzu
psychotherapeutische Tätigkeit in ihrer Münchner Privatpraxis. Kontakt: mail@drshaw.de;
www.praxis-bogenhausen.de.
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