Kanzleimanagement

Motivation:
Beweggründe bieten. Erst der schwarze Hund bringt’s!

Gutmenschen und therapeutisch gepolte Zeitgenossen verstehen unter Motivation meistens ein gutes Gespräch, Streicheleinheiten und Lob für den guten Willen.

Dieses Verständnis findet man am häufigsten bei jenen Glücklichen, die entweder von keinerlei Mitarbeit abhängig sind oder ihren Broterwerb fernab von Leistungsdruck finden. Deswegen bleibt ihnen die Folge solcher Motivationskünste verborgen: Entspannung, seliges Zurücklehnen, Glücksgefühle. Das ist das genaue Gegenteil von Engagement, Anstrengung, Einsatzeifer – eben Arbeit.

So genannte Motivationstrainer wiederum versetzen nur jene Mitmenschen in Schwingung, die ohnehin zu Höherem bereit und willig zu Selbstsuggestion für die Psychomassage zu zahlen bereit sind. Mitarbeiter sind aber keine Seminarbesucher. Keinen Heller zahlen Sie für’s Motiviertwerden und sind leichter zu einem Barfußlauf durch Glasscherben als zur grauen Alltagsarbeit zu bewegen. Da erfüllt es das geplagte Leitungspersonal stets mit Genugtuung, wenn wieder einmal ein Motivationstrainer hinter schwedischen Gardinen landet.

Peter Kraus berichtet in einem anrührenden TV-Interview, wie er erst durch die Erfahrung von Unsicherheit und Mangel zur Leistungsdisziplin fand. Wohl wahr, der Mensch ist ein Flucht-Tier. Erfolg beginnt mit der Aussicht, missliche Umstände und Unannehmlichkeiten künftig vermeiden zu können. Diese Erkenntnis missfiel seit eh und je menschenfreundlichen Geistern. Al Rachman IV. etwa, Kalif von Cordoba, wettete um 950 n.Ch. gegen gelehrte Freunde auf die Macht der Belohnung. Zwei gleich starke Läufer wurden an den Start befohlen. Dem einen winkte im Falle des Sieges eine wahrhaft fürstliche Prämie. Dem anderen wurde ein aggressiver schwarzer Hund auf die Fersen gesetzt. So oft man den Versuch auch mit unterschiedlichen Spitzenläufern wiederholte – stets siegte der Läufer mit dem schwarzen Hund. Der Menschenfreund Al Rachman verlor seine Wette und gewann die unschätzbare Einsicht, dass die Furcht stärker ist als jede Hoffnung auf Belohnung – jedenfalls, wenn es um Leistung geht.

Niccolo Machiavelli hielt dafür, ein kluger Fürst solle sich nur auf das verlassen, was er selber in der Hand habe. Natürlich sei es schön, vom Volk geliebt zu werden. Da man aber Liebe nicht steuern, sehr wohl aber jederzeit Furcht erwecken könne, sei es viel sicherer, gefürchtet als geliebt zu werden. Soviel Realitätssinn hat ihm schon zu Lebzeiten herbe Kritik eingetragen – vor allem von Seiten betroffener Untertanen. Altersweise Unternehmer und Fuhrleute stimmen Machiavelli allerdings zu und bedauern lediglich, nicht schon früher aufgeklärt worden zu sein.

Dennoch bringen es nur wenige übers Herz, solche Weisheit ihren Nachfolgern darzulegen. Allzu angenehm und verführerisch ist der Gedanke, wenigstens für die nachwachsende Generation werde doch jene Rechnung aufgehen, nach der Gutes mit Gutem und Rücksichtnahme mit Rücksicht vergolten wird...

Die Lehre vom schwarzen Hund wird zwar durch moderne psychologische Experimente bestätigt, darf aber keineswegs missverstanden werden. Man sollte schon sichergehen können, dass der schwarze Hund nicht am Ende doch schneller ist als der Läufer. Dann nämlich würde der Prämienstreber unweigerlich gewinnen. In der richtigen Dosierung des zielführenden Leidensdrucks, der Furcht, des Vermeidungsreizes oder wie immer das nennen mag, liegt nun eben die Kunst der Motivation zur Leistung. Wie weit man dabei allenfalls gehen darf , steht im Gesetzbuch.

Georg M. Sieber, Jg. 1935, ist Diplom-Psychologe in München. 1964 gründete er sein Institut für Angewandte Psychologie, die Intelligenz System Transfer GmbH (11 Niederlassungen). Seine persönliches Interessengebiet sind die Schriften historischer Vorläufer der heutigen Psychologie wie Federico II., Machiavelli, Palladio, Inigo de Loyola u.a.. Er steht gerne für den fachlichen Austausch zur Verfügung: Georg.Sieber@IST-Muenchen.de, Tel: 089 / 16 88 011

 

 

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