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Verräterisches Personal

Verräterisches Personal – Wie der Herr so das G’scherr? Umgekehrt stimmt das leider ziemlich oft.

Herr Niccolò Machiavelli hielt dafür, die Qualität des Herrschers zeige sich an den Eigenschaften seiner direkten (leitenden) Mitarbeiter.

Es gab offensichtlich auch vor 500 Jahren schon Personal, mit dem sich ein Chef blamieren konnte. In heutigen Vorstandsriegen und Managerpyramiden finden sich oft genug solche Negativ-Exemplare. Machiavellis zarter Hinweis ist eben vielerorts nicht angekommen.

So darf man den Aufsichtsrat an den Vorständen messen, den Ressortleiter Recht und Personal am Personalleiter – aber eben auch den Anwalt an seinem Kanzleipersonal. Wenn einer schon „kein Händchen“ hat für die eigenen Mitarbeiter, sind immer auch Zweifel an seinen übrigen Fähigkeiten nahe gelegt.

Konkret: die hochnäsige, übelgelaunte Sekretärin, der tollpatschige Assistent, der poltrige Abteilungsleiter, der frech distanzierte Buchhalter, der unpünktliche, aber manikürte Vertriebsmann mit dem Kavalierstüchlein – dass sind untrügliche Symp- tome von „Führungsschwäche“. Wer solche Mitarbeiter erträgt, der muss wohl – nach Machiavelli – auch selber recht ähnlich gelagert sein. Sonst würde er sie nicht ertragen können.

Je kleiner ein Betrieb, desto wichtiger wird der einzelne Mitarbeiter. Eine Fehlbesetzung wirkt sich in einer vierköpfigen Kanzleibelegschaft ganz logisch spürbarer aus als in einem 20-Mannbetrieb. Deswegen waren es ja immer die „kleinen“ Herrschaften, die den größten Wert auf die Auswahl der Mitarbeiter legten. Als der Gründer der Jesuiten, Ignatius von Loyola, sein ausführliches und noch heute vorbildliches Auswahlverfahren festlegte, hatte der Orden gerade mal ein Dutzend Mitglieder.

Wer als Wirtschaftsanwalt den neuen Klienten wirklich kennen lernen will, wird sich also dessen Mitarbeiter anschauen müssen. Natürlich fallen dabei deren Untugenden zunächst stärker ins Auge, als deren Tugenden. Und nicht alles, was auf den ersten Blick alarmierend wirkt, muss auch gleich ein ernsthaftes Risiko sein. Dennoch entsteht auf diese Weise ein Bild, das so viel verrät wie ein guter Scherenschnitt. Und dem ist allemal mehr zu trauen, als einer noch so ehrlich gemeinten Selbstdarstellung.

Georg M. Sieber, Jg. 1935, ist Diplom-Psychologe in München. 1964 gründete er sein Institut für Angewandte Psychologie, die Intelligenz System Transfer GmbH (11 Niederlassungen). Seine persönliches Interessengebiet sind die Schriften historischer Vorläufer der heutigen Psychologie wie Federico II., Machiavelli, Palladio, Inigo de Loyola u.a.. Er steht gerne für den fachlichen Austausch zur Verfügung: Georg.Sieber@IST-Muenchen.de, Tel: 089 / 16 88 011

 

 

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